Sentinel-4 Auftragsunterzeichnung
Serdar Güder - Ottobrunner.info
· Erstmals kontinuierliche Überwachung der Atmosphäre mit zwei Spektrometern aus geostationärem Orbit
· Auftragswert liegt bei knapp 150 Millionen Euro
Ottobrunn – Europas führendes Raumfahrtunternehmen, wird als Hauptauftragnehmer zwei hochgenaue Instrumente zur Überwachung der Atmosphäre für die Europäische Weltraumorganisation ESA entwickeln und bauen. Die beiden als Sentinel-4 bezeichneten Spektrometer werden erstmals aus dem geostationären Orbit Messdaten zur Qualität unserer Lufthülle und deren chemischer Zusammensetzung liefern. Die Positionierung in 36.000 Kilometern Höhe erlaubt die lückenlose Überwachung Europas und Nordafrikas im Stundentakt.
Die so gewonnen Daten werden für die Klimaforschung dringend benötigt und hätten es beispielsweise ermöglicht, die Ausbreitung der Aschewolke nach dem Ausbruch der Vulkane Eyjafjallajoekull in 2010 und Grimsvoetn in 2011 in Island zu bestimmen.
"Nur Satelliten ermöglichen die globale und permanente Umweltbeobachtung - und das mit neuester Technologie. Sentinel 4 wird als wichtiges Instrument von MTG (Meteosat Third Generation) mit hoher Auflösung die Atmosphäre über Europa überwachen. Das ist Astrium-Hochtechnologie vom Feinsten zum Nutzen von Umwelt und Sicherheit“, sagte Evert Dudok, CEO von Astrium Satellites. „Astrium wird zudem als industrieller Generalunternehmer beim Bau von Sentinel 4 insgesamt 45 Firmen in 11 europäischen Ländern einbinden.“ Dudok fügte an, dass Astrium für die ESA bereits zwei sogenannte Sentinel-Satelliten für das wichtige Europäische Umweltüberwachungsprogramm GMES* (Global Monitoring for Environment and Security) baue.
Mit dem Sentinel-4-Auftrag über 149,2 Millionen Euro wird ein wichtiges Element des GMES-Programms an Astrium vergeben. Das Unternehmen verfügt bereits über wertvolle Erfahrung aus der Entwicklung des ersten europäischen Umweltsatelliten Envisat und dem darauf befindlichen Sentinel-4-Vorgängerinstrument Sciamachy für den erdnahen Orbit.
Die rund 150 Kilogramm schweren Instrumente werden 2019 und 2027 an Bord der MTG-Wettersatelliten ins All starten und dann für jeweils acht Jahre in Betrieb sein. Herzstück dieser Hightech-Instrumente sind zwei Spektrometer, die das von den Gasmolekülen der Atmosphäre zurückgeworfene Sonnenlicht nach Wellenlängen auftrennen. Dabei wird nicht nur das sichtbare Licht, sondern auch die ultravioletten und infraroten Anteile genutzt. Mit CCD-Sensoren (Charged-Coupled Device Technology), ähnlich denen in einer Digitalkamera, wird dann die Intensität für spezifische Wellenlängen gemessen, was einen sehr genauen Rückschluss auf das Vorhandensein von Spurengasen, wie z.B. Ozon oder Stickoxid erlaubt. Ebenso können aber auch Aerosole und die Ausbreitung von Wolken höchstgenau vermessen werden.
Für die Entwicklung und Bau von Sentinel-4 stellt Astrium ein Team aus 45 Unterauftragnehmern zusammen. Begonnen wird mit einem Kernteam, in dem sich auch das Münchner Unternehmen Kayser-Threde und die Atmosphärenforscher der Universität Bremen (IUP) befinden.