Dekan Mathis Steinbauer von der Michaelskirche eröffnete die Protestaktion und sprach: „Der Angriff eines Rechtsradikalen auf einen türkischen Taxifahrer der Taxi-Zentrale Südost in einer Tankstelle hier in Ottobrunn am vergangenen Wochenende hat die katholischen und evangelischen Gemeinden der Region veranlasst, in einer ökumenischen gewaltfreien Aktion ein Zeichen zu setzen, dass wir nicht weg schauen, wenn Mitbürger mit Gewalt bedroht werden. Vertreter der katholischen Gemeinden St. Magdalena, St. Otto, Albertus Magnus in Ottobrunn, St. Stephanus in Hohenbrunn, St. Stephan Putzbrunn, St. Ulrich Grasbrunn, der Rosenkranzkönigin in Neubiberg, Bruder-Klaus in Waldperlach, der evangelischen Michaelskirchengemeinde Ottobrunn-Neubiberg, Hohenbrunn , der Jubilategemeinde in Waldperlach und des Prodekanats München-Südost, sowie der Bürgermeister von Ottobrunn werden nun gemeinsam ein kurzes Statement abgeben, hier an einem Standplatz der Taxis in Ottobrunn.“
Philipp Stoltz begann mit den Statements: „Wir pfeifen auf Nazis, ihre rechtsradikale Gesinnung, die Menschen in Klassen einteilt, sich über die Würde des Menschen erhebt und mit Fäusten argumentiert.“ Gefolgt vom Vertreter der Michaelskirchengemeinde: „Wir pfeifen nicht auf den Menschen, der sich verirrt in Unmenschlichkeit, der blind ist für die Menschenliebe. Für ihn beten wir und hoffen, dass er umkehrt“.
„Wir pfeifen laut und vernehmlich, damit die Opfer von rechtsradikaler Gewalt wissen, wir sind empört, wir fühlen mit und denken an Sie.“ So die Ansprache des Pfarrverbandes Albertus Magnus/St. Otto, bevor Bürgermeister Thomas Loderer Stellung nahm: „Wir pfeifen auf eine Haltung des Wegduckens und Wegsehens. Was heute einem Mitbürger passiert, kann morgen uns allen passieren. Unsere Geschichte hat uns das gelehrt.“
Auch die Kirchen der Umgebung zeigten Ihre Haltung: „Wir pfeifen fröhlich für eine andere, bessere Welt. Eine Welt, in der Menschen aller Hautfarben, Kulturen und Religionen als Geschöpfe Gottes die Buntheit des Lebens feiern.“ (Pfarrverband Vier-Brunnen) „Wir pfeifen auf Gesten der Stärke, die die eigenen Schwächen überdecken wollen. Die sich groß-machen am Kleinmachen anderer.“ (Jubilatekirche Waldperlach) „Wir pfeifen Lied unseres Glaubens: Gerechtigkeit, Mitmenschlichkeit, Umkehr und Reue, Vergebung und Neuanfang. Nie wieder werden wir als Christen schweigen, wenn Unrecht geschieht.“ (Pfarrverband Rosenkranzkönigin Neubiberg/Bruder Klaus Waldperlach).
Bevor gemeinsam ein Lied eingestimmt wurde, ermunterte Christoph Nobs mit den Worten: „Wir pfeifen schrill und singen vom Mut der Hoffnung und einem Frieden, den nur Gott uns schenken kann.“ Danach folgte ein gemeinsames Gebet und der Aufruf zum schrillen und lauten Protest.
Betroffenheit aber auch eine entschlossene Haltung war den Demonstranten anzusehen. Herr Haider von der Polizeiinspektion 28 beruhigt: „Seit Jahren ist dieser Vorfall der einzige in dieser Region, es besteht kein Hinweis, dass Rechtsradikale aktiver geworden sind.“ Doch konnte an diesem Tag jeder vernehmen, das die Wachsamkeit gegen Rechtsradikalismus eingekehrt ist.
Die wenigen türkischen Mitbürger, die vor Ort waren, sind skeptisch. Sie sind verunsichert, ängstlich und wütend.



















